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Es knirscht im Team - kann ein Teamworkshop wirklich helfen?

Autorenbild: Korinna Kubelt
Korinna Kubelt
21. Aug.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Aug.

Was Teamentwicklung leisten kann und warum nachhaltige Veränderung mehr als einen gemeinsamen Tag braucht.


Illustration eines vielfältigen Teams im Gesprächskreis, das gemeinsam auf ein verworrenes Linienknäuel in der Mitte blickt.


Der Termin steht, die Einladung ist verschickt, ein halber oder ganzer Arbeitstag im Kalender blockiert. Die Teamleitung ist erleichtert: Endlich gibt es einen Rahmen für Themen, die im Alltag immer wieder untergehen oder schon länger für Unmut sorgen.

Im Team selbst klingt die Begeisterung häufig etwas verhaltener.


„Grundsätzlich finde ich ja auch gut, dass wir das heute machen …“


Und dann kommt oft direkt das Aber: Die Arbeit bleibt in dieser Zeit liegen oder muss später nachgeholt werden, einzelne Kolleg:innen werden sich ohnehin (wieder) nicht äußern, andere fehlen vielleicht gleich ganz.


Hinzu kommen Erfahrungen aus früheren Formaten. Erwartungen wurden gesammelt, Karten beschrieben, Maßnahmen vereinbart. Zurück blieb ein Fotoprotokoll – verändert hat sich wenig.


Gleichzeitig soll genau in diesem Workshop über Dinge gesprochen werden, die im Alltag nicht gut laufen: über Belastung, Zusammenarbeit, vielleicht über Konflikte und eigenes Verhalten.


Dass nicht alle mit großer Zuversicht in den nächsten Workshop starten, ist deshalb nachvollziehbar.


Zwischen grundsätzlicher Zustimmung, vollem Postfach und den Erfahrungen vergangener Workshops steht deshalb eine durchaus berechtigte Frage im Raum:


"Bringt das diesmal wirklich etwas – oder reden wir einen Tag lang miteinander und anschließend läuft alles weiter wie bisher?"



Skepsis gehört mit in den Raum


Ein Teamworkshop braucht weder vollständige Zustimmung noch künstlich erzeugte Begeisterung. Entscheidend ist, ob ein Rahmen entsteht, in dem Menschen trotz unterschiedlicher Erfahrungen bereit sind, miteinander zu arbeiten.


Skepsis ist dabei kein Störgeräusch, das möglichst schnell wegmoderiert werden muss. Sie kann wichtige Hinweise darauf geben, womit ein Team in den Raum kommt.


Hinter „Das bringt doch sowieso nichts“ kann die Erfahrung stehen, dass frühere Vereinbarungen versandet sind. Hinter „Dafür haben wir keine Zeit“ eine sehr reale Überlastung. Und hinter „Hier wird sich sowieso niemand ehrlich äußern“ vielleicht die Erfahrung, dass Offenheit bislang wenig sicher war.


Auch verfestigte Bilder über einzelne Kolleg:innen erzählen etwas über die Geschichte eines Teams: „zu empfindlich“, „unzuverlässig“, „schwierig“ oder „zieht immer alles an sich“.


Solche Zuschreibungen helfen zunächst, Verhalten einzuordnen. Problematisch werden sie dort, wo sie so fest geworden sind, dass kaum noch Raum für andere Erklärungen bleibt.



Erst klären, was überhaupt gebraucht wird


Wenn eine Teamleitung mich anfragt, lautet der Wunsch häufig zunächst: „Die Zusammenarbeit soll besser werden.“


Das ist verständlich – aber noch kein Auftrag.


Geht es um unklare Rollen oder Verantwortlichkeiten? Um einen Konflikt? Hohe Belastung? Führung? Entscheidungswege? Oder darum, Themen endlich gemeinsam anzusprechen, die im Alltag immer wieder liegen bleiben oder zu heikel sind?


Und ebenso wichtig: Woran würde man nach dem Workshop überhaupt merken, dass die gemeinsame Zeit hilfreich war?


Je klarer das Anliegen, desto sinnvoller lässt sich entscheiden, ob ein Teamworkshop überhaupt das richtige Format ist.


Bei einem festgefahrenen Konflikt zwischen einzelnen Beteiligten kann eine Konfliktmoderation oder Mediation passender sein. Geht es vor allem um die Entwicklung einer Führungskraft, kann ein Coaching passender sein. Und wenn Rollen, Zusammenarbeit oder Strukturen über längere Zeit verändert werden sollen, reicht ein einzelner Workshoptag oft nicht aus.


Zur Auftragsklärung gehört für mich deshalb auch die Frage: Was braucht es hier eigentlich – und in welchem Rahmen lässt sich das sinnvoll bearbeiten?


Dabei ist die Perspektive der Führungskraft ein wichtiger Ausgangspunkt, aber nicht die fertige Diagnose für das Team.


Zu Beginn interessiert mich deshalb ebenso, was die Teilnehmenden selbst beschäftigt und was sie sich von der gemeinsamen Zeit versprechen. Gleichzeitig braucht es Transparenz darüber, was an diesem Tag möglich ist – und was nicht.


Ein guter Workshop braucht einen klaren Auftrag, aber kein vorab festgelegtes Ergebnis.



Was ein Teamworkshop realistisch leisten kann


Ein mehrstündiger Workshop ersetzt keine jahrelang eingeübten Muster. Ein Tag löst nicht jeden Konflikt. Und auch professionelle Moderation verwandelt ein belastetes Team nicht über Nacht in eine harmonische Arbeitsgemeinschaft.


Ein Workshop kann aber etwas anderes leisten.


Er kann einen Raum schaffen, in dem ein Team genauer auf die eigene Zusammenarbeit schaut. Aus diffusem Ärger kann ein konkretes Thema werden, Zuschreibungen lassen sich überprüfen und unterschiedliche Wahrnehmungen kommen nebeneinander auf den Tisch, statt in getrennten Gesprächen weiterzulaufen.


Manchmal entsteht dadurch zum ersten Mal seit Langem wieder die Möglichkeit, eine schwierige Rückmeldung auszusprechen, eine andere Perspektive wirklich zu hören oder eine Vereinbarung so konkret zu machen, dass sie anschließend überprüfbar ist.


Das klingt zunächst kleiner als der Anspruch: „Heute verbessern wir unsere Zusammenarbeit.“


Tatsächlich liegt darin oft der größere Wert eines Teamworkshops: nicht möglichst viel an einem Tag zu lösen, sondern an den richtigen Stellen etwas in Bewegung zu bringen.


Und dafür muss nicht zwingend das größte Problem als Erstes auf den Tisch.


Gerade in Teams mit länger bestehenden Spannungen möchten manche endlich alles aussprechen, während andere genau davor zurückschrecken.


Ein sinnvoller Einstieg kann deshalb auch an einer weniger aufgeladenen Stelle beginnen – dort, wo unterschiedliche Sichtweisen zunächst sichtbar werden können, ohne sofort den größten Konflikt aufzumachen.



Aus der Praxis: Wenn festgefahrene Bilder wieder beweglicher werden


In einem Workshop arbeitete ich mit einem Team, das seit Monaten unter hoher Arbeitsbelastung stand. Dass die Situation schwierig war, wusste jeder. Weniger klar war, was die Belastung inzwischen mit der Zusammenarbeit gemacht hatte.


Vorwürfe und empfundene Ungerechtigkeiten standen längst im Raum. Gesprochen wurde darüber durchaus – allerdings eher in kleineren Konstellationen als miteinander.


Ich entschied mich für eine Aufstellungsarbeit, um Unterschiede im Erleben sichtbar zu machen, ohne sofort in lange Erklärungen und Rechtfertigungen einzusteigen.


Dabei zeigte sich schnell, dass dieselbe Arbeitssituation sehr unterschiedlich erlebt und bewältigt wurde – und dass daraus im Team längst vermeintlich eindeutige Geschichten über einzelne Personen entstanden waren.


Eine Kollegin galt beispielsweise als diejenige, die häufig als Erste ging. Mehrere Teammitglieder deuteten das als geringeres Engagement. Im Austausch wurden jedoch Rahmenbedingungen sichtbar, die bislang kaum Teil dieser Bewertung gewesen waren.


Bei einer anderen Kollegin zeigte sich eine deutliche Lücke zwischen Absicht und Wirkung. Sie übernahm viele Aufgaben, weil sie Verantwortung tragen und einen guten Beitrag leisten wollte. Bei anderen kam genau dieses Verhalten längst als Kontrolle, Alleingang oder mangelndes Vertrauen an.


Neu waren nicht die Unterschiede. Möglich wurde, dass über sie nicht länger nur in getrennten Gesprächen gesprochen wurde, sondern miteinander.


Damit verschwanden weder die hohe Arbeitsbelastung noch alle Konflikte. Aber manche vermeintlich eindeutige Erklärung wurde fraglicher. Verhalten bekam einen Kontext. Und dort, wo vorher vor allem Bewertungen standen, entstanden wieder Fragen.


Gleichzeitig wurde sichtbar, dass nicht alles auf der persönlichen Ebene liegt.


Wenn unterschiedliche Arbeitsweisen immer wieder an denselben Stellen kollidieren, lohnt auch der Blick auf Aufgabenverteilung, Rollen und Schnittstellen. Wenn Menschen sich stark absichern, weil Fehler negative Reaktionen auslösen, geht es nicht nur um individuelle Kommunikation, sondern ebenso um Fehlerkultur und Arbeitsbedingungen.


Teamentwicklung wird dort interessant, wo nicht nur das Verhalten Einzelner betrachtet wird, sondern auch Rollen, Abläufe und Arbeitsbedingungen, die dieses Verhalten mitprägen.


Für dieses Team war die Sequenz ein Türöffner.


Konkrete Reibungspunkte wurden klarer und besprechbarer. Dadurch konnte das Team anders über Zusammenarbeit, Verantwortung und notwendige Veränderungen sprechen – auch wenn damit längst nicht alles gelöst war.



Veränderung entscheidet sich im Arbeitsalltag


Ein Workshop kann einen Prozess anstoßen. Ob daraus tatsächlich Veränderung wird, entscheidet sich aber selten im Workshopraum.


Eine Vereinbarung, die dort sinnvoll klingt, muss sich im Alltag bewähren – wenn das Mail-Postfach voll ist, eine Frist drängt und jemand wieder genau in das Verhalten fällt, das alle längst kennen.


Veränderung verlangt Aufmerksamkeit ausgerechnet dort, wo sie häufig knapp ist: im Alltag.


Deshalb sollte nach einem Workshop klar sein, was weiterverfolgt wird: Wer greift eine Vereinbarung auf? Was liegt tatsächlich im Handlungsspielraum des Teams? Wo braucht es eine Entscheidung der Führungskraft oder einer anderen Ebene? Und wann lohnt es sich, noch einmal gemeinsam hinzuschauen?


Ein Follow-up oder eine längerfristige Prozessbegleitung ist deshalb nicht automatisch notwendig. Je nach Anliegen kann es aber sinnvoll sein, später zu prüfen: Was hat sich bewährt? Was ist versandet? Wo kehren alte Muster zurück – und woran liegt das? Entscheidend ist, dass Vereinbarungen nicht einfach im Protokoll verschwinden.


Dabei bleibt eine wichtige Grenze:

Teamentwicklung sollte strukturelle Probleme nicht zu Beziehungsproblemen erklären.


Wenn Aufgaben dauerhaft nicht zu bewältigen sind, Verantwortlichkeiten ungeklärt bleiben, Entscheidungswege nicht funktionieren oder personelle Ressourcen fehlen, lässt sich das nicht durch Kommunikation oder klarere Absprachen kompensieren.


Umgekehrt erklären Strukturen auch nicht jede Schwierigkeit in der Zusammenarbeit. Manchmal macht es einen erheblichen Unterschied, ob Menschen miteinander statt übereinander sprechen, Erwartungen klarer werden oder vertraute Reaktionen nicht mehr automatisch ablaufen.


Beides gehört zusammen: die Bereitschaft, das eigene Miteinander zu betrachten – und die Klarheit darüber, was an anderer Stelle verändert oder entschieden werden muss.



Ein Gedanke zum Mitnehmen


Ob ein Teamworkshop „etwas bringt“, lässt sich deshalb nicht daran messen, wie viele Themen an einem Tag bearbeitet wurden oder wie harmonisch die Stimmung am Ende ist.


Interessanter ist, ob danach etwas klarer ist, das vorher festgefahren war: ein Thema, eine Zuschreibung, eine Verantwortung, eine notwendige Entscheidung oder der nächste gemeinsame Schritt.


Ein guter Teamworkshop muss nicht alles lösen. Aber danach sollte klarer sein, woran es sich tatsächlich zu arbeiten lohnt – und was daraus im Arbeitsalltag folgen soll.

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